
Der Aufkleber mit dem letzten Prüfdatum auf unserem gelben Verteilerkasten ist inzwischen so verblasst, dass ihn kaum noch wer entziffern kann. Genau solche Kästen, unsere Baustromverteiler, sind der Grund, warum mich andere Poliere und auch der eine oder andere Kunde ständig dasselbe fragen: Wie bekommt man die Protokolle zur DGUV-V3-Prüfung so dokumentiert, dass sie bei der nächsten Kontrolle auch wirklich noch auffindbar sind? Seit ich die Zettel nicht mehr im Handschuhfach verstaue, sondern im Bauprogramm als digitales Bautagebuch ablege, kriege ich diese Fragen zur Arbeitssicherheit fast laufend gestellt. Hier sind meine Antworten, so wie ich sie auf der Baustelle auch tatsächlich gebe.
Ein handschriftlicher Zettel vom Elektriker reicht nicht aus
Klar, der Elektriker prüft den Verteiler durch, misst den FI-Schutzschalter und drückt dir danach einen Zettel in die Hand. Fühlt sich erledigt an, ist es aber nicht. Der Zettel wandert in die Fahrertür, zwischen alte Zollstöcke und Vesperreste, und irgendwann ist er weg, zerknüllt oder vom Regen aufgeweicht. Bei der Kontrolle durch die Berufsgenossenschaft steht man dann mit leeren Händen da, und der Prüfer versteht keinen Spaß, wenn's um Baustrom geht.
Versucht habe ich vorher schon, ein ähnliches Problem mit einem simplen Google-Drive-Ordner für unsere Lieferscheine zu lösen. Hat nicht funktioniert. Meine Jungs haben da so gut wie nie was hochgeladen, es blieb doch wieder alles Papier, das irgendwo im Auto rumflog. Deswegen ist mir inzwischen klar: Ein Ordner allein bringt gar nichts, wenn das Fotografieren und Ablegen nicht direkt am Kasten passiert, in dem Moment, in dem der Elektriker fertig ist.

Das gehört ins Prüfprotokoll
Jeder unserer Verteiler hat mindestens die Schutzart IP44, damit der Regen draußen bleibt, mehr Technik-Vortrag gibt's von mir dazu nicht. Wichtig ist, was passiert, sobald der Elektriker fertig ist: Ich fotografiere das Protokoll direkt am Kasten, mit Datum, mit seiner Unterschrift, mit der Nummer des Verteilers drauf. Das Bild geht sofort ins Bauprogramm, in den Eintrag für genau diesen Kasten, nicht in irgendeine allgemeine Foto-Sammlung, wo es später wieder untergeht.

Beim letzten Abnahme-Rundgang mit einem Bauherrn habe ich das Mängelprotokoll direkt auf dem Tablet aufgerufen, während wir nebeneinander durchs Gebäude gelaufen sind, und er hat nur genickt, weil alles schon sauber drinstand, kein Suchen, kein Vertrösten auf morgen. Solche Situationen sind der Grund, warum ich bei der Umstellung geblieben bin, auch wenn's am Anfang mehr Aufwand war als gedacht.
Prüfintervalle für Baustromverteiler
Fest steht: Die Prüfintervalle für mobile Verteiler auf der Baustelle sind klar geregelt, und wer die aus den Augen verliert, merkt das spätestens beim Besuch der Berufsgenossenschaft. Ich rede hier bewusst nicht über jedes Detail der Vorschrift, dafür gibt's eine andere Ecke auf dieser Seite, nämlich die UVV Prüfung für Baumaschinen im Bauprogramm, wo die Prüfpflicht ausführlicher aufgedröselt wird. Mir geht's hier um was anderes: darum, dass das Protokoll zur Prüfung überhaupt da ist, wenn man's braucht.
Digital heißt nicht automatisch sicher
Nur weil ein Protokoll als Foto im Bauprogramm liegt, ist es noch nicht automatisch in Ordnung. Wer die Bilder einfach nur hochlädt, ohne sie dem richtigen Verteiler zuzuordnen oder ohne Nachtrag bei einer Reparatur, baut sich seine eigene Falle. Stellt euch vor, ein Verteiler fällt bei der Prüfung durch, der Elektriker vermerkt 'mangelhaft, FI löst nicht aus', und genau dieses Protokoll bleibt als letzter Eintrag stehen, weil die Nachprüfung nie hochgeladen wurde.
Schaut irgendwann die Versicherung oder ein Anwalt in genau diesen Eintrag rein, steht da schwarz auf Pixel, dass die Anlage unsicher war, ohne dass irgendwo die Reparatur samt Freigabe dahinterhängt. Deswegen lege ich Mangel, Reparatur und Nachprüfung inzwischen immer im selben Eintrag ab, direkt untereinander, damit jeder auf einen Blick sieht: Da war was kaputt, der Polier hat's sofort richten lassen.
Wenn eine Prüfung nicht besteht
Durchfallen kommt vor, öfter als einem lieb ist, gerade bei älteren Verteilern, die schon über etliche Baustellen gewandert sind. Der Elektriker schreibt den Mangel auf, ich fotografiere den Zettel wie jedes andere Protokoll auch, aber ich setze den Kasten im Bauprogramm sofort auf gesperrt, bis die Nachprüfung da ist. Erst wenn das Freigabe-Protokoll drinliegt, geht der Verteiler wieder als geprüft durch, nicht vorher.
Der Zdenko, unser Fliesenleger, hat sich am Anfang bei jeder neuen App erstmal quergestellt. Bei einem Bier im Hirsch in Hornberg meinte er neulich trotzdem, dass ihm das Foto-System wenigstens narrensicher vorkommt, weil man nichts mehr suchen muss, wenn der Kunde fragt.

Schafft euch diese eine Gewohnheit an
Ein Foto direkt am Kasten, sofort im richtigen Eintrag abgelegt, spart am Ende mehr Nerven als jede nachträgliche Sucherei. Die Hermine, die unsere Buchhaltung macht, fragt mich inzwischen gar nicht mehr nach den Verteiler-Protokollen, weil sie die im Bauprogramm selbst findet, bevor die Steuerberaterin überhaupt danach fragen könnte.
Digitalisierung auf der Baustelle ist kein Hexenwerk, sie ist einfach ein anderer Handgriff. Genauso, wie ich es beim Baufortschritt mit Fotos dokumentieren mache, gilt auch beim Baustrom: Ein Klick am Kasten, und das Protokoll liegt dort, wo es hingehört, statt im Fußraum zu verrotten.