Polier Tagebuch

Regen im Schwarzwald und das Tablet – Warum ich das Klemmbrett endlich verheizt habe

Regen im Schwarzwald und das Tablet – Warum ich das Klemmbrett endlich verheizt habe

Sonntagabend im Schwarzwald. Das Bier ist kalt, die Beine sind schwer, und draußen peitscht der Regen immer noch gegen die Fensterscheibe. Eigentlich die Zeit, in der ich früher fluchend über zerknitterten Aufmaßzetteln saß und versucht habe, meine eigene Klaue zu entziffern. Aber heute? Heute habe ich den Laptop gar nicht erst aufgeklappt. Wer hätte gedacht, dass ich, ein alter Polier mit Maurer-Lehre und 47 Jahren auf dem Buckel, das mal sage.

Hinweis: In diesen Einträgen tauchen gelegentlich Affiliate-Links zu Bausoftware wie Bauprogramm auf, die ich auf meinen Baustellen im Schwarzwald selbst ausprobiert habe. Wenn du darüber kaufst, bekomme ich eine Provision — für dich ändert sich am Preis nichts. Ich teile hier nur Tools, die ich auch wirklich selbst angepackt und im Dreck getestet habe.

KW 28: Der Tag, an dem das Klemmbrett baden ging

Wir schreiben die KW 28. Wir sind gerade am Schluchsee oben, Fundamente für ein Mehrfamilienhaus. Wer die Gegend kennt, weiß: Wenn es hier regnet, dann richtig. Die Stauwirkung der Berge ist kein Witz. Am Mittwoch hat es geschüttet wie aus Eimern, eine richtige Schlamm-Schlacht. Früher hätte ich mein Klemmbrett unter die Jacke gestopft, gehofft, dass das Papier nicht aufweicht, und am Abend versucht, die verlaufene Tinte in eine Excel-Tabelle zu übertragen.

Dieses Mal war es anders. Ich stand da im strömenden Regen, das Wasser lief mir hinten in den Nacken, aber ich hatte dieses neue Tablet in der Hand. Das kalte Display schmiert unter meinem nassen Daumen, während der Dieselgestank des Baggers in der Nase beißt. Ich habe versucht, das Tagesprotokoll direkt in der App zu tippen. Ich sag’s euch wie es ist: Es war kein Granaten-Tag, es war erst mal ein Kampf.

Mein ältester Maurer, ein Kerl wie ein Baum, der schon Mauern hochgezogen hat, als ich noch in die Windeln gemacht habe, schüttelt nur den Kopf. Er zieht seine alte, gelbe Schnur aus der Tasche und fängt an zu messen, während ich mit dem digitalen Laser-Aufmaß und der App kämpfe. „Chef“, sagt er, „was willst mit dem Spielzeug? Wenn das ins Loch fällt, ist Feierabend.“ Er hat ja nicht ganz unrecht, aber der Bauer von heute muss eben mit der Zeit gehen, wenn er nicht am Sonntagabend noch im Büro versauern will.

Die ersten 14 Tage: Zwischen Fluchen und Löschen

Ich will hier nichts schönreden. Die Umstellung auf Bauprogramm war in den ersten 14 Tagen die Hölle. Wenn du 25 Jahre lang alles auf Papier gemacht hast, ist jede App erst mal ein Feind. Du suchst die Knöpfe, die Menüs sind anders, als du denkst, und der Betonmischer wartet nicht, bis der Polier sein Handy sortiert hat.

Ich habe am dritten Tag versucht, die Schalungsmaße mit Handschuhen einzutippen und dabei versehentlich das gesamte Tagesprotokoll gelöscht. Da habe ich das Tablet fast in den Mischer geworfen. Ich stand da, klatschnass, die Jungs haben geginst, und ich hätte am liebsten alles hingeschmissen. Aber ich wusste: Wenn ich jetzt aufgebe, sitze ich nächsten Sonntag wieder drei Stunden vor Excel.

Das Problem bei vielen Tools ist ja, dass sie für Büroleute gemacht sind. Aber im Schwarzwald haben wir Ecken, da hast du kein Netz. Gar keins. Wenn die App dann jedes Mal hängen bleibt, weil sie „synchronisieren“ will, kriegst du einen Vogel. Bauprogramm hat das ganz gut gelöst, das läuft auch offline. Das war für mich der Grund, warum ich dabei geblieben bin. Nichts ist schlimmer als ein digitaler Helfer, der im Funkloch den Dienst quittiert.

Der Wendepunkt: Beweislast in Sekunden erledigt

Warum ich das Ganze überhaupt mache? Wegen Momenten wie am Donnerstag. Einer unserer Subunternehmer für den Erdaushub wollte mir weismachen, dass sie 50 Meter mehr Drainage gelegt haben, als im Plan stand. Früher hätte ich in meinen zerfledderten Zetteln gesucht: „Haben wir das dokumentiert? Wer war da? Wie war das Wetter?“

Mit der App war das eine Sache von Sekunden. Ich habe das digitale Bautagebuch geöffnet, bin auf den Mittwoch zurückgegangen und habe ihm das Foto gezeigt, das ich direkt an den Tagesbericht angehängt hatte. Da war genau zu sehen, wo das Rohr endet. Ende der Diskussion. Der Sub hat kurz geschluckt, genickt und das Thema war vom Tisch. Allein dieser eine Moment hat mir wahrscheinlich zwei Stunden sinnloses Telefonieren und E-Mail-Schreiben erspart. Die VOB-Konformität ist eben kein Spaß, sondern bares Geld.

Die Abrechnung am Sonntag: 4,5 Stunden geschenkt

Jetzt sitze ich hier und rechne mal kurz zusammen. Ich führe aktuell drei Baustellen parallel mit meinen drei Jungs. Früher habe ich pro Baustelle am Sonntagabend sicher 1,5 Stunden gebraucht, um das Aufmaß von den Schmierblättern in die Excel-Tabellen zu übertragen und die Fotos von der Kamera auf den PC zu ziehen. Das sind 4,5 Stunden Zeitersparnis pro Woche!

Was mache ich mit den 4,5 Stunden? Sicher nicht mehr arbeiten. Ich verbringe sie mit meiner Frau oder gehe mal eine Runde länger mit dem Hund in den Wald. Ein tiefes Ausatmen und Entspannung im Nacken machen sich breit, als ich merke, dass ich heute Abend nicht mehr am Schreibtisch sitzen muss.

Wenn du also auch ein kleiner Betrieb bist und dich fragst, ob das was für dich ist: Sei vorbereitet auf die ersten zwei Wochen. Die tun weh. Deine Mitarbeiter werden lachen, du wirst fluchen. Aber wenn du erst mal den Dreh raus hast, wie du das Aufmaß direkt am Laser-Entfernungsmesser abgreifst und in Bauprogramm einspeist, willst du nie wieder zurück.

Nächste Woche geht’s weiter, dann hoffentlich ohne Dauerregen. Wir fangen mit der Schalung für die Kellerwände an. Mal sehen, ob der Schorsch das Tablet dann auch mal in die Hand nimmt, oder ob er weiter nur mit seiner Schnur misst. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Ran an den Speck, euer Polier aus dem Schwarzwald.