
Sonntagabend im Schwarzwald. Das Viertele Wein ist getrunken, das Bier steht jetzt kalt vor mir auf dem Tisch, und draußen peitscht der Regen gegen die Scheiben, dass man meint, der Kandel geht unter. Eigentlich die Zeit, in der ich früher fluchend über zerknitterten Aufmaßzetteln saß und versucht habe, meine eigene Klaue zu entziffern. Aber heute? Heute habe ich den Laptop gar nicht erst aufgeklappt. Wer hätte gedacht, dass ich, ein alter Polier mit Maurer-Lehre und 47 Jahren auf dem Buckel, das mal sage.
Hinweis: In meinen Berichten tauchen ab und zu Links zu Bautools wie Bauprogramm auf. Das sind Sachen, die ich auf meinen Baustellen hier oben wirklich im Dreck getestet habe. Wenn du darüber etwas kaufst, bekomme ich eine kleine Provision – für dich kostet es keinen Cent extra, aber es hilft mir, sonntags das Bier zu finanzieren. Ich empfehle hier nur, was ich selbst in den Fingern hatte.
KW 21 im Mai 2026: Wenn der Schwarzwald-Himmel die Schleusen öffnet
Wir haben gerade die KW 21 hinter uns. Wir sind aktuell in der Nähe vom Schluchsee oben, Fundamente für ein Mehrfamilienhaus. Wer die Gegend kennt, weiß: Wenn es hier regnet, dann richtig. Die Stauwirkung der Berge ist kein Witz. Am Mittwoch hat es geschüttet wie aus Eimern, eine richtige Schlamm-Schlacht. Das hat mich direkt an den Sommer letztes Jahr erinnert, als ich angefangen habe, das Klemmbrett gegen das Tablet zu tauschen.

Früher hätte ich mein Klemmbrett unter die Jacke gestopft, gehofft, dass das Papier nicht aufweicht, und am Abend versucht, die verlaufene Tinte in eine Excel-Tabelle zu übertragen. Aber dieses Mal stand ich da im strömenden Regen, das Wasser lief mir hinten in den Nacken, aber ich hatte dieses neue, robuste Tablet in der Hand. Das kalte Display schmiert unter meinem nassen Daumen, während der Dieselgestank des Baggers in der Nase beißt. Aber wisst ihr was? Das Tagesprotokoll war fertig, noch bevor der Baggerfahrer den Motor ausgemacht hat.
Der Schlamm-Test: Warum das Tablet mehr aushält als mein Geduldsfaden
Ich sag’s euch wie es ist: Es war am Anfang kein Granaten-Tag, es war erst mal ein Kampf. Mein ältester Maurer, ein Kerl wie ein Baum, der schon Mauern hochgezogen hat, als ich noch in die Windeln gemacht habe, schüttelt heute noch manchmal den Kopf. Er zieht seine alte, gelbe Schnur aus der Tasche und fängt an zu messen, während ich mit dem digitalen Aufmaß kämpfe. „Chef“, sagt er dann mit einem Grinsen, „was willst mit dem Spielzeug? Wenn das ins Loch fällt, ist Feierabend.“

Er hat ja nicht ganz unrecht, aber der Bauer von heute muss eben mit der Zeit gehen, wenn er nicht am Sonntagabend noch im Büro versauern will. Ein großes Thema war für mich immer das Funkloch. Hier im Schwarzwald hast du Ecken, da denkt dein Handy, es wäre noch 1995. Wenn die App dann jedes Mal hängen bleibt, weil sie „synchronisieren“ will, kriegst du einen Vogel. Aber ich habe gelernt: Ein digitales Bautagebuch muss offline funktionieren, sonst kannst du es gleich im Wald vergraben.
Dokumentation im Dreck: Der Moment, in dem der Baggerfahrer staunte
Warum ich das Ganze überhaupt mache? Wegen Momenten wie am Donnerstag. Einer unserer Subunternehmer für den Erdaushub wollte mir weismachen, dass sie deutlich mehr Drainage gelegt haben, als im Plan stand. Früher hätte ich in meinen zerfledderten Zetteln gesucht: „Haben wir das dokumentiert? Wer war da? Wie war das Wetter?“
Mit der App war das eine Sache von ein paar Klicks. Ich habe das digitale Bautagebuch geöffnet, bin auf den Dienstag zurückgegangen und habe ihm das Foto gezeigt, das ich direkt an den Tagesbericht angehängt hatte. Da war genau zu sehen, wo das Rohr endet. Ende der Diskussion. Der Sub hat kurz geschluckt, genickt und das Thema war vom Tisch. Allein dieser eine Moment hat mir wahrscheinlich eine Stunde sinnloses Telefonieren erspart. Die VOB-Konformität ist eben kein Spaß, sondern bares Geld.

Bauprogramm im Langzeittest: Was nach fast einem Jahr hängengeblieben ist
Ich nutze jetzt seit dem letzten Sommer Bauprogramm. Ich will hier nichts schönreden: Die ersten 14 Tage waren die Hölle. Wenn du 25 Jahre lang alles auf Papier gemacht hast, ist jede App erst mal ein Feind. Du suchst die Knöpfe, die Menüs sind anders, als du denkst, und der Betonmischer wartet nicht, bis der Polier sein Handy sortiert hat. Ich habe am dritten Tag versucht, die Schalungsmaße mit Handschuhen einzutippen und dabei fast das Tablet in den Mischer geworfen.
Aber jetzt, fast ein Jahr später, sieht die Welt anders aus. Der Hauptnutzen für mich ist der Foto-Anhang. Ich mache ein Bild, markiere den Mangel oder den Fortschritt direkt auf dem Foto und fertig. Kein Sortieren mehr am Abend. Das ist viel wertvoller als jedes Excel-Aufmaß auf dem Handy, das sowieso nur die Nerven raubt, weil die Tabellen auf dem kleinen Bildschirm rumhüpfen.
- Vorteil: Fotos sind sofort beim Bericht (kein Suchen mehr).
- Vorteil: Die Jungs können ihre Stunden selbst eintragen.
- Nachteil: Die Einarbeitungszeit tut weh (man braucht Sitzfleisch).
- Nachteil: Man muss das Tablet jeden Abend laden – vergisst man einmal, steht man morgens blöd da.
Die Abrechnung: Wo die 4,5 Stunden wirklich herkommen
Jetzt sitze ich hier und rechne mal kurz zusammen. Ich führe aktuell drei Baustellen parallel mit meinen drei Jungs. Früher habe ich pro Baustelle am Sonntagabend sicher anderthalb Stunden gebraucht, um das Aufmaß von den Schmierblättern zu übertragen und die Fotos von der Kamera auf den PC zu ziehen. Das sind über vier Stunden Zeitersparnis pro Woche!

Was mache ich mit der Zeit? Sicher nicht mehr arbeiten. Ich verbringe sie mit meiner Frau oder gehe mal eine Runde länger mit dem Hund in den Wald. Ein tiefes Ausatmen und Entspannung im Nacken machen sich breit, als ich merke, dass ich heute Abend nicht mehr am Schreibtisch sitzen muss. Wenn du also auch ein kleiner Betrieb bist und dich fragst, ob das was für dich ist: Sei vorbereitet auf die ersten zwei Wochen. Die tun weh. Deine Mitarbeiter werden lachen, du wirst fluchen. Aber wenn du erst mal den Dreh raus hast, wie du die Berichte direkt auf der Baustelle fertigstellst, willst du nie wieder zurück zum Klemmbrett.
Nächste Woche geht’s weiter, dann fangen wir mit der Schalung für die Kellerwände an. Mal sehen, ob der Schorsch das Tablet dann auch mal freiwillig in die Hand nimmt. Ich halte euch auf dem Laufenden. Wer auch keinen Bock mehr auf Papierkram im Regen hat, kann sich Bauprogramm hier mal anschauen – mir hat es den Sonntagabend gerettet.
Ran an den Speck, euer Polier aus dem Schwarzwald.