
Vier Fotos von einem stillen Örtchen liegen inzwischen in meinem digitalen Bautagebuch – mehr Bilder gibt's bei mir von keinem anderen Bauteil auf der Baustelle. Klingt komisch, hat aber einen einfachen Grund: Die Baustellenhygiene beim WC war lange der Punkt, an dem meine ganze Dokumentation gescheitert ist, und jetzt ist er der am saubersten belegte.
Bevor es weitergeht: Ein Diktiergerät für die Tagesberichte hatte ich vor einer Weile auch mal am Start, bis ich gemerkt habe, dass die Transkription hinterher dreimal so lange dauert wie wenn ich alles gleich selbst tippe. Das Ding liegt seitdem in der Schublade, und ich erzähle das nur, damit klar ist: Nicht jedes Tool, das ich ausprobiere, bleibt auch im Einsatz. Bei der Klo-Doku ist es anders gelaufen, und weil mich dazu ständig dieselben Fragen erreichen, beantworte ich sie hier einmal der Reihe nach.
Warum der Zettel an der Klotür nichts für die Baustellenhygiene bringt
Früher hing bei uns ein laminierter Zettel an der WC-Tür, auf dem jeder mit Edding abzeichnen sollte, wenn er sauber gemacht hat. Nach zwei Tagen war das Papier vom Regen gewellt, der Stift meistens weg, und unterschrieben wurde trotzdem – ganz gleich, ob wirklich ein Besen im Einsatz war. Wenn niemand nachweisen kann, dass wirklich geputzt wurde, bringt der schönste Zettel nichts; erst ein Nachweis mit Bild ändert das Verhalten der Truppe. Es gibt sogar eine Arbeitsstättenrichtlinie, die grob vorschreibt, dass auf jeder Baustelle überhaupt eine zumutbar erreichbare Toilette stehen muss – die Details überlasse ich lieber denen, die das studiert haben. Für mich als Polier zählt am Ende nur, ob die Stimmung kippt, wenn's stinkt wie eine Güllegrube im Hochsommer, und garantiert kippt sie.

Feste Reinigungsintervalle sind oft für die Katz
Die meisten Miet-Kabinen werden vom Dienstleister nach einem festen Rhythmus geleert, das Fassungsvermögen ist aber begrenzt und hängt stark davon ab, wie viele Leute die Kabine überhaupt nutzen. Eine feste Reinigung im Bauprogramm einzutragen klingt ordentlich, geht an der Realität der Baustelle aber vorbei. Auf der Baustelle beim Handwerkshaus in Offenburg hat sich das neulich gezeigt, als aus drei Mann über Nacht plötzlich zehn wurden, weil die Dachdecker mit angerückt sind – kommt dann noch ein Granaten-Tag mit Lieferverzug oben drauf, ist die Hütte schneller voll, als der Kalender es vorsieht. Deshalb verknüpfe ich die Intervalle im Bauprogramm jetzt direkt mit der Mannschaftsstärke im Bautagebuch, nicht mit einem festen Wochentag – wächst die Truppe, wächst die Reinigungsfrequenz automatisch mit.
Was tun, wenn einer die Reinigung vergisst?
Genau da liegt der eigentliche Hebel: die Foto-Pflicht. Wer geputzt hat, zückt kurz das Tablet und lädt ein Bild der sauberen Kabine hoch, sonst gilt die Aufgabe im Bauprogramm nicht als erledigt. Der Bildschirm bekommt im Lauf des Tages so einen feinen grauen Schleier vom Betonstaub, den ich erst wegwischen muss, bevor das Foto überhaupt scharf wird, aber das ist reine Gewöhnungssache. Neulich hat mich mein Vorarbeiter deswegen angerufen, allerdings nicht, weil ihm etwas gefehlt hätte: Er hatte nur eine einzige Rückfrage zu einem Detail, der Rest stand längst sauber dokumentiert im Programm – genau dafür mache ich das Ganze.
Der Unterschied zwischen Kontrolle und Klarheit
Mein ältester Mitarbeiter, sonst eher bildschirmscheu, hat mir kürzlich gesagt, dass ihm die Foto-Pflicht inzwischen sogar recht ist: Keiner kann ihm mehr die Schuld unterschieben, wenn andere das Klo versauen, sein Bild vom sauberen Zustand liegt ja im System. Es geht also nicht um Überwachung, sondern darum, dass niemand mehr rätseln muss, wer wann was gemacht hat – bei mir gilt inzwischen: keine erledigte Aufgabe ohne Bild, sonst zählt sie im Bauprogramm nicht als abgeschlossen. Wer sich für ähnliche Dokumentationspflichten interessiert, findet in meinem Beitrag zur täglichen Sichtprüfung am Gerüst im digitalen Bautagebuch ein vergleichbares Prinzip. Wie ich generell Fotos auf der Baustelle sortiere oder was rechtlich überhaupt ins Bautagebuch muss, sind nochmal eigene Themen, die ich hier nicht aufmachen will.
Wenn Subunternehmer das Handy nicht mögen
Nicht jeder auf der Baustelle ist Smartphone-Profi, und das ist auch okay. Mein Fliesenleger Zdenko Palić zum Beispiel schickt seine Rechnungen bis heute lieber per Post, und er hat mich neulich genau daran erinnert, als ich ihm stolz das Tablet unter die Nase gehalten habe – wer als Subunternehmer nicht mit dem System arbeiten muss, bei dem reicht mir weiterhin eine kurze mündliche Bestätigung plus mein eigenes Foto. Bei akutem Funkloch macht die App ohnehin schlapp, das ist aber ein anderes Thema für sich. Wenn ich sehe, dass bei der nächsten Lieferung statt drei plötzlich zehn Leute auf der Baustelle stehen, schiebe ich die Reinigung im Bauprogramm einfach vor, ganz ohne Anruf beim Dienstleister. Genauso mache ich es bei der Bedenkenanmeldung nach VOB – was Unklarheiten schafft, wird sofort digital fixiert, egal wie klein das Thema ist.
Auch für einen Drei-Mann-Betrieb lohnt sich das
Ja, auch für so einen kleinen Drei-Mann-Betrieb wie meinen lohnt sich der Bauprogramm-Test. Zäh ist eigentlich nur der Start – die ersten zwei Wochen mit viel Klicken, bis sich das Tool im Alltag überhaupt rechnet, danach läuft's. Der Foto-Anhang direkt am Handy ist für mich ohnehin der Hauptnutzen vom ganzen Programm, nicht nur bei der Klo-Frage. Meine Buchhalterin Hermine Zagel tippt ihre Stundenzettel bis heute lieber selbst ab, als irgendeiner App zu vertrauen, und ich lass sie das auch machen – aber bei der Klo-Doku sehe ich das anders, weil mir da ein Foto mehr bringt als jede Unterschrift auf Papier. Digitalisier, wo ein Nachweis zählt, und lass analog, wo es ohnehin funktioniert – so handhabe ich das inzwischen auf jeder meiner Baustellen.
Wenn bei dir auf der Baustelle auch ständig übers Klo gemeckert wird, kostet es nur ein paar Minuten, das mal auszuprobieren. Deine Jungs werden es dir danken, auch wenn der eine oder andere erst mal flucht, weil er für das Klo-Foto die Handschuhe ausziehen muss.