Polier Tagebuch

Welches Bauprogramm für Poliere im Hochbau beim Zeitsparen wirklich hilft

Welches Bauprogramm für Poliere im Hochbau beim Zeitsparen wirklich hilft

Es ist wieder einer dieser Sonntagabende. Das Tannenzäpfle steht kühl auf dem Tisch, die Vesperkrümel vom Abendessen liegen noch neben meinem Tablet, und draußen über den Schwarzwaldtannen zieht der Nebel hoch. Früher hätte ich jetzt vor einem Berg verknitterter Lieferscheine und meinem speckigen DIN-A4-Bautagebuch gesessen, um irgendwie die Woche auf den zwei Baustellen in Ordnung zu bringen. Aber seit ich letztes Jahr angefangen habe, den ganzen Papierkram digital zu erledigen, sieht mein Sonntagabend anders aus.

Das Ende der Zettelwirtschaft im Caddy

Wenn ich an letzten August zurückdenke, kriege ich heute noch einen dicken Hals. Da saß ich in meinem Caddy, die Sonne hat aufs Armaturenbrett geballert, und ich habe verzweifelt nach dem Aufmaß für die Bodenplatte gesucht. Es war unauffindbar. Wahrscheinlich lag es unter einem leeren Leberkäs-Papier oder war beim Aussteigen in den Matsch gefallen. Solche Momente waren der Grund, warum ich gesagt habe: Schluss jetzt, wir brauchen ein Bauprogramm.

Ich bin jetzt 47, habe meine Maurer-Lehre hinter mir und die Polier-Schule im Kasten. Ich bin kein IT-Experte und will auch keiner werden. Meine drei Mitarbeiter – der Schorsch, der junge Lukas und unser Altgeselle – wollen arbeiten und nicht auf Bildschirme starren. Aber die Zettelwirtschaft hat uns Zeit gefressen, die wir nicht haben. Wenn man wie ich zwei bis drei Baustellen parallel führt, dann muss die Doku nebenher laufen, sonst sitzt man nachts am Küchentisch.

Nahaufnahme eines staubigen Tablets mit einfacher Bau-App-Bedienung

Warum Ingenieurs-Software für uns Poliere oft nix taugt

Mein erster Fehler war, dass ich mir Programme angeschaut habe, die eigentlich für Bauingenieure im Büro gemacht sind. Die Dinger können alles: von der statischen Berechnung bis zur Kostenstellenrechnung für Großprojekte. Aber auf dem Gerüst, wenn der Wind pfeift und man Handschuhe anhat, bringen einem 300 Untermenüs gar nichts. Ich brauche keine Software, die mir sagt, wie ich die Bewehrung nach DIN 1045 im Detail biegen muss – das weiß ich selber. Ich brauche etwas, das mir hilft, den Ist-Zustand festzuhalten, ohne dass ich einen Roman schreiben muss.

Während der Winterpause habe ich mich durch verschiedene Apps gewühlt. Viele sind einfach zu kompliziert. Da muss man erst zehn Felder ausfüllen, bevor man ein Foto hochladen kann. Auf der Baustelle muss das zack-zack gehen. Ein Klick, Foto, kurzer Satz, fertig. Was ich gelernt habe: Ein gutes Bauprogramm für uns Poliere muss drei Knöpfe haben, nicht dreihundert. Es muss vor allem robust sein. Mein Tablet steckt in einer Hülle mit Schutzklasse IP68. Wenn da der feine graue Zementstaub in die Ritzen der Schutzhülle kriecht und unter den Fingern auf dem Display knirscht, dann darf die App nicht hängen bleiben.

Die Sache mit der Abweichungsanalyse: Mein Zeitspar-Geheimnis

Anfang Mai hatte ich einen echten Granaten-Tag auf der Baustelle in Titisee. Alles lief schief: Der Betonmischer kam zu spät, die Bewehrung war nicht vollständig geliefert, und der Bauherr wollte plötzlich eine zusätzliche Steckdose in der Betonwand. Früher hätte ich abends eine Stunde lang aufgeschrieben, was wir alles gemacht haben. Heute mache ich das anders.

Das wichtigste Learning aus dem letzten Jahr: Digitale Bautagebücher sparen nur dann Zeit, wenn man aufhört, jeden Standard-Arbeitsschritt zu dokumentieren. Ich schreibe nicht mehr: 'Wand gemauert'. Das sieht man auf dem Foto. Ich fokussiere mich nur noch auf die Abweichungen. Warum konnten wir nicht so arbeiten wie geplant? Was war anders? Diese reine Abweichungsanalyse ist das, was nach VOB/B § 14 am Ende wirklich zählt, wenn es um die Abrechnung geht. Wenn alles nach Plan läuft, reicht ein Haken. Wenn nicht, brauche ich ein Foto und einen Satz zum Grund. Das spart mir jeden Tag sicher 30 Minuten Schreibarbeit.

Polier prüft das digitale Bautagebuch auf einer Betonplatte bei Sonnenuntergang

Praktische Tipps für den Alltag mit der App

Damit die Umstellung klappt, habe ich mir ein paar Regeln angewöhnt, die mir den Rücken freihalten. Manchmal vergisst man im Getümmel ja doch, das Tablet zu zücken. Hier ist, was bei mir und meinen drei Jungs funktioniert:

Besonders wichtig ist auch das Thema Zusatzwünsche. Wenn der Bauherr auf der Baustelle sagt: 'Machen wir das doch so', dann zücke ich sofort das Tablet. Ein Foto von seiner Unterschrift direkt auf dem Display, und die Sache ist erledigt. Das ist viel entspannter, als wenn ich später versuche, Nachträge auf der Baustelle digital zu erfassen, wenn sich keiner mehr genau an das Gespräch erinnern will.

Das Gefühl im Nacken: Warum ich nicht mehr zurück will

Diesen Sonntagabend fühle ich mich anders als vor zwei Jahren. Ich spüre ein entspanntes Gefühl im Nacken, weil ich weiß, dass meine Dokumentation für die Woche sauber ist. Ich muss nicht mehr zwei Stunden über krummen Skizzen am Küchentisch hocken und mich fragen, was wir am Dienstag eigentlich genau gemacht haben. Die App hat alles im Griff.

Klar, am Anfang war es eine Umstellung. Der Schorsch hat erst mal gelacht und gefragt, ob ich jetzt unter die Influencer gegangen bin, weil ich so viel mit dem Tablet rumrenne. Aber heute fragt er mich: 'Chef, hast du das Foto von der Leitung noch?'. Und ich kann es ihm in fünf Sekunden zeigen. Das überzeugt auch den größten Skeptiker. Die Digitalisierung im Hochbau ist kein Hexenwerk, man muss nur ein Tool finden, das zu uns Handwerkern passt und nicht nur zum Büro. Jetzt trinke ich mein Bier fertig und genieße den Rest vom Sonntag – ganz ohne Papierkram.

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