Polier Tagebuch

Digitales Aufmaß auf der Baustelle: Warum Excel am Handy nicht funktioniert

Digitales Aufmaß auf der Baustelle: Warum Excel am Handy nicht funktioniert
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Mitte Januar am Titisee, der Wind pfeift direkt vom Feldberg rüber und ich stehe knöcheltief im Matsch. Wir haben an der Stützwand gerackert, die Finger sind so klamm, dass ich sie kaum noch spüren kann. In der rechten Hand mein iPhone mit dem Sprung im Display, in der linken das Maßband. Ich versuche verzweifelt, in einer Excel-Tabelle die Zelle C14 zu treffen, um die 18,5 Meter Länge einzutippen. Aber bei der Kälte reagiert der Touchscreen auf meine feuchte Haut nur mit einem bockigen Flackern oder er markiert gleich den ganzen Block. Ein Granaten-Tag, sag ich euch.

Bevor ich mich hier um Kopf und Kragen schreibe: In meinen Berichten tauchen ab und zu Links zu Software-Tools auf, die ich auf meinen Baustellen im Schwarzwald selbst ausprobiere. Wenn du über so einen Link etwas kaufst, bekomme ich eine Provision. Für dich ändert sich am Preis absolut gar nichts. Ich teile hier nur, was ich wirklich angepackt und für tauglich befunden habe – oder eben, wo ich kläglich gescheitert bin. Ich bin Polier, kein Verkäufer.

Der Traum vom papierlosen Bau: Warum ich dachte, Excel reicht

Ich hab im Sommer 2025 angefangen, mein ganzes Gerümpel umzustellen. Weg vom speckigen Bautagebuch aus Papier, hin zum Tablet. Anfangs dachte ich mir: „Mensch, du hast doch Excel auf dem Rechner, das klappt am Handy auch.“ Weit gefehlt. Wer schon mal versucht hat, mit Wurstfingern auf einem 6-Zoll-Display in eine Tabelle mit 20 Spalten zu navigieren, weiß, dass das wie Chirurgie mit dem Vorschlaghammer ist. Man zoomt rein, man zoomt raus, man wischt nach links und plötzlich ist man in Zeile 400 gelandet, ohne es zu merken.

An diesem besagten Tag am Titisee ging es um eine Stützwand. Die Daten sind wichtig, weil wir nach dem Hinterfüllen nichts mehr sehen. Laut VOB/B musst du das Zeug dokumentieren, bevor es im Boden verschwindet. Ich hatte eine Skizze auf einem alten Lieferschein gemacht, die der Wind mir fast aus der Hand gerissen hätte. Die Maße waren klar: 18,5 Meter Länge und im Schnitt 2,2 Meter Höhe. Macht nach Adam Riese eine Fläche von 40,7 Quadratmetern. Aber tipp das mal ein, wenn der Regen auf das Display klatscht und jede Tropfenberührung als Eingabe gewertet wird.

Mein ältester Mitarbeiter stand daneben, hat sich eine Zigarette gedreht und mir dabei zugeschaut, wie ich mit dem Handy gekämpft habe. Er hat nichts gesagt, aber sein Grinsen sprach Bände. In seinem Blick stand: „Chef, mit dem Bleistift wärst du schon beim Vesper.“ Und er hatte recht. In dem Moment hatte ich die glorreiche Idee, eine Formel direkt auf der Baustelle zu ändern. Ein falscher „Fettfinger-Tipper“ und schwups – die ganze Spalte war gelöscht. Ich hab 20 Minuten im Regen gestanden und versucht, die Formel wiederherzustellen, nur um am Ende festzustellen, dass ich aus Versehen eine '7' über die Basisdaten getippt hatte. Da kommt dir die Galle hoch.

Der Sonntagabend-Blues: Excel-Nacharbeit am Küchentisch

Das Schlimmste an der Excel-Lösung ist nicht mal die Baustelle selbst, sondern der Sonntagabend. Wenn das Wochenend-Bier eigentlich schon offen sein sollte, sitze ich am Küchentisch und versuche, das Chaos vom Handy in eine ordentliche Liste für das Büro zu schieben. Jede Woche habe ich bestimmt 45 Minuten damit verbracht, die Fehler zu korrigieren, die ich draußen beim Aufmaß gemacht habe. Mal hat eine Einheit nicht gepasst, mal war die Verknüpfung zerschossen.

Wenn man das mal hochrechnet: Bei einem Stundensatz von 65 Euro, den ich als Polier ansetze, verballere ich im Monat knapp 195 Euro nur für das Korrigieren von Excel-Tabellen. Das ist fast ein ganzer Arbeitstag im Jahr, den ich mit Fluchen vor dem Bildschirm verbringe, anstatt mit den Jungs auf der Baustelle oder im Wald zu sein. Außerdem ist da dieser stechende Schmerz im Nacken, wenn du 30 Minuten lang bei praller Mittagssonne auf diese winzigen Zeilen schielst, weil das Display spiegelt und du kaum was erkennst.

Ein weiteres Problem: Die Zuordnung der Fotos. Ich mache ein Bild vom Fundament, aber in Excel kriegst du das Bild nie vernünftig in die Zelle, ohne dass die ganze Formatierung explodiert. Wie ich das früher mit dem Handy-Chaos gelöst habe, könnt ihr hier nachlesen: Bilder auf der Baustelle sortieren: So finde ich jedes Foto sofort wieder. Aber für das Aufmaß war Excel einfach eine Sackgasse.

Der Wechsel zu einer echten Aufmaß-App

Irgendwann im Februar, nach einer weiteren Nachtschicht, hatte ich die Schnauze voll. Ich hab mir Bauprogramm [Mein Tool im Test] angeschaut. Ich bin da vorsichtig, ich will kein Geld für Zeug ausgeben, das am Ende nur kompliziert ist. Die ersten 14 Tage waren auch echt zäh. Man muss sich umgewöhnen, viel klicken, Profile anlegen. Mein Geselle hat mich nur schief angeschaut, als ich mit dem Tablet ankam. Ich dachte nur: Wenn ich das Ding jetzt in den Fundamentgraben fallen lasse, sind zwei Wochen Gewinn für die Tonne. Das Teil kostet zwar keine Unmengen, aber es fühlt sich auf dem Bau immer so an, als würde man ein rohes Ei durch den Steinbruch tragen.

Aber der große Unterschied zu Excel ist das System dahinter. Ein digitales Aufmaß muss einfach funktionieren, auch wenn es regnet oder man Dreck an den Fingern hat. Bei Bauprogramm sind die Eingabefelder groß genug. Da gibt es kein „Verrutschen“ in der Zeile. Was mir besonders gefällt: Das Tool hält sich an die REB 23.003. Das ist dieser Standard für den elektronischen Datenaustausch, den die Architekten immer wollen. Wenn ich denen früher meine Excel-Listen geschickt habe, kam oft ein Anruf: „Hermann, das kann mein Programm nicht lesen.“ Jetzt drücke ich auf Export und die Sache ist erledigt.

Hier mal ein kleiner Vergleich, was sich seit dem Umstieg geändert hat:

Warum das Klemmbrett trotzdem manchmal fehlt

Ich will hier nicht alles rosarot malen. Es gibt Momente, da vermisse ich mein altes Klemmbrett. Wenn die Sonne so richtig knallt und das Tablet heiß wird, oder wenn der Akku bei 5 % steht und wir noch drei Fundamente messen müssen. Aber dann erinnere ich mich an den Regen am Titisee und das Gefluche mit der Excel-Tabelle. Digitalisierung auf dem Bau heißt nicht, dass alles von allein geht. Es heißt nur, dass man die Fehler, die man draußen macht, nicht mit ins Wochenende schleppt.

Mein Mitarbeiter hat sich mittlerweile auch dran gewöhnt. Er nimmt das Tablet zwar immer noch nur mit spitzen Fingern an, aber er sieht, dass ich weniger Stress mit dem Büro habe. Und wenn der Chef weniger flucht, ist das Klima auf der Baustelle auch besser. Ich hab neulich schon mal darüber geschrieben, wie der erste Schock mit dem Tablet war: Regen im Schwarzwald und das Tablet – Warum ich das Klemmbrett endlich verheizt habe. Es ist ein Prozess, kein Sprint.

Mein Fazit für heute

Excel ist ein super Werkzeug – für das Büro. Da kann man Kalkulationen machen, Preise vergleichen und Berichte schreiben. Aber auf der Baustelle, zwischen Betonmischer und Rüttelplatte, hat es nichts verloren. Die Benutzeroberfläche ist nicht für draußen gemacht. Wer wirklich digital aufmessen will, braucht eine Lösung, die für den Daumen und nicht für die Maus gebaut wurde.

Wenn du auch überlegst, den Schritt zu gehen: Such dir was, das eine ordentliche Foto-Funktion hat und bei dem du nicht erst Informatik studieren musst. Ich fahre mit Bauprogramm bisher ganz gut, vor allem weil ich monatlich kündigen könnte, wenn es mir doch zu dumm wird. Aber momentan sieht es so aus, als würde mein Küchentisch am Sonntagabend endlich mal wieder für das genutzt, wofür er da ist: Ein Vesper und ein kühles Bier, ohne dass eine Excel-Tabelle dazwischenfunkt.

In diesem Sinne, schafft ordentlich was weg und lasst euch vom Regen nicht unterkriegen!

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