
Sonntagabend im Schwarzwald, die Füße auf dem Tisch und ein kaltes Bier in der Hand. Wenn ich an letztes Jahr denke, kriege ich heute noch einen dicken Hals. Da saß ich hier mit zerfledderten Plänen, auf denen mehr Lehm klebte als Tinte, und habe versucht zu entziffern, was wir am Mittwoch eigentlich aus dem Loch geholt haben. Heute scrolle ich entspannt durch mein Tablet und sehe messerscharfe Bilder vom Graben, inklusive Zeitstempel und GPS-Daten.
Bevor ich euch erzähle, wie ich den Umschwung geschafft habe, ein kurzer Hinweis: In meinen Texten stecken manchmal Links zu Programmen, die ich auf meinen Baustellen nutze. Wenn du darüber etwas kaufst, kriege ich eine kleine Provision. Für dich kostet es keinen Cent mehr, und ich empfehle hier sowieso nur das, was ich selbst im Dreck getestet und für gut befunden habe. Ich bin schließlich Polier und kein Verkäufer.
Das ewige G'streit um die Bodenklassen
Wer im Hochbau arbeitet, weiß: Der Ärger fängt meistens unter der Grasnarbe an. Letzten Oktober hatten wir so einen Fall. Der Bauherr dachte, wir graben in Butter, aber nach 50 Zentimetern kam der Granit. Wenn du dann nur ein paar handgeschriebene Zettel hast, fängt das Gefeilsche an. In der Bodenklasse 6 oder 7 zu arbeiten, ist eine ganz andere Nummer als in Klasse 3, das weiß jeder, der schon mal einen Meißel in der Hand hatte. Laut ATV DIN 18300 müssen wir das Zeug ja auch ordentlich einstufen.
Früher habe ich das mit dem Bleistift auf den Plan gekritzelt. Im Regen. Ergebnis: Ein grauer Schmierfleck. Heute zücke ich mein Handy, öffne das Bauprogramm und mache drei Fotos vom Aushub und der Sohle. Das Tool packt mir direkt das Datum und den Ort drauf. Wenn der Architekt dann kommt und meint, das wäre doch alles nur lockeres Material gewesen, zeige ich ihm das Tablet. Diskussion beendet in fünf Minuten. Das ist ein echtes Erfolgserlebnis, sag ich euch. Da merkst du, dass du nicht mehr der Depp bist, der auf den Kosten sitzen bleibt, nur weil die Doku fehlt.

Frosttiefe und digitale Präzision im Schwarzwald-Winter
Diesen Februar, als der Frost bei uns im Tal so richtig reingezogen ist, mussten wir für ein Fundament besonders tief runter. Die frostfreie Gründung liegt bei uns zwischen 80 und 100 cm, je nachdem, wie exponiert die Hütte steht. Da klebte mir der kalte, feuchte Geruch von ausgehobenem Ton an den Stiefeln, während ich versucht habe, das Smartphone-Display mit den klammen Fingern sauber zu halten, um die Tiefe zu dokumentieren.
Ich sags euch, wie es ist: Am Anfang dachte ich oft: 'Mensch, ich bin Polier und kein IT-Fritze.' Ich stand da mit dem Tablet und hab mich gefragt, ob das alles wirklich sein muss. Einmal habe ich sogar zwei Wochen lang aus Versehen Berichte doppelt erstellt, weil ich nicht gecheckt habe, dass das Ding automatisch synchronisiert, sobald ich aus dem Kellerloch wieder Netz habe. Da hab ich mich gefühlt wie der erste Mensch. Aber als ich dann zum ersten Mal am Sonntagabend den fertigen PDF-Bericht mit allen Bildern und Massen gesehen habe, den das Programm fast von allein ausgespuckt hat... da ist die ganze Anspannung in den Schultern plötzlich abgefallen. Kein Excel-Getippe mehr bis Mitternacht.
Warum kleine Betriebe oft an der Doku scheitern
Das Problem bei uns kleinen Betrieben ist ja oft die Fluktuation bei den Subunternehmern. Da hast du heute den Baggerfahrer vom einen Trupp und morgen einen neuen, der kein Wort Deutsch versteht. Wenn ich denen sage, sie sollen was dokumentieren, passiert gar nichts. Deshalb mache ich das jetzt alles selbst über das Handy. Es ist so niederschwellig, dass ich beim Vorbeigehen kurz klicke. Ich brauche keine Hilfskräfte mit Tablets ausstatten, die am Ende eh nur im Dreck landen. Ich führe das Bautagebuch digital und habe die volle Kontrolle, egal wer gerade auf dem Bock sitzt.

Mein Fazit nach einem Jahr mit dem digitalen Klemmbrett
Letzten Monat hatte ich wieder so einen Granaten-Tag. Der Bauherr behauptete steif und fest, wir hätten viel zu viel Boden abgefahren. Früher hätte ich jetzt in meinen Ordnern gewühlt und Lieferscheine gesucht, die vielleicht schon im Müll gelandet sind. Diesmal habe ich einfach mein Aufmaß-Modul im Bauprogramm geöffnet. Alle Lkw-Ladungen waren mit Foto vom Kennzeichen und Uhrzeit gelistet. Der Typ hat nicht mal mehr versucht zu widersprechen.
Klar, mein ältester Mitarbeiter brummelt immer noch, wenn er mich mit dem Tablet sieht. 'Schaff lieber was, statt zu wischen', sagt er dann. Aber am Ende des Tages ist er der Erste, der fragt, ob ich mal kurz nachschauen kann, wie tief wir an der Ecke XY eigentlich genau waren. Das Tool nimmt mir den Buckel voll Arbeit ab, den ich früher mit ins Wochenende geschleppt habe. Wer heute noch Erdarbeiten ohne digitale Fotos und GPS-Daten macht, der verschenkt bares Geld und Nerven.
Wenn du auch keine Lust mehr auf Schlamm-Verschmierte Zettel hast, schau dir das Bauprogramm mal an. Es hat mich ein paar Abende Einarbeitung gekostet, aber heute schmeckt das Feierabendbier am Sonntag einfach besser, weil ich weiß: Die Woche ist sauber im Kasten und der Boden ist sicher erfasst. In diesem Sinne – ran an den Speck, oder besser: ran ans Tablet!