Polier Tagebuch

Digitales Bautagebuch im Funkloch: Warum ich im Schwarzwald kein Netz mehr brauche

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Digitales Bautagebuch im Funkloch: Warum ich im Schwarzwald kein Netz mehr brauche

Sonntagabend, die Beine hochgelegt und das erste kühle Rothaus-Pils steht vor mir. Draußen zieht der Nebel über die Tannen, wie er es hier im Schwarzwald im Mai halt gern mal macht. Ich schaue auf mein Tablet und scrolle durch die Einträge der letzten Woche. Wenn ich daran denke, wie ich noch vor einem Jahr mit dem Klemmbrett im Matsch stand, muss ich fast lachen. Aber diese Woche, in der KW 21, hat mir das digitale Zeug wieder mal alles abverlangt – vor allem, weil wir dort waren, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen und das Handynetz schon vor Jahrzehnten aufgegeben hat.

KW 21: Abgetaucht in der Wutachschlucht

Wir waren diese Woche für ein Fundament-Projekt tief unten in einem Seitental bei der Wutachschlucht. Wer die Ecke kennt, weiß: Da hast du als Polier genau zwei Möglichkeiten. Entweder du hast Brieftauben dabei oder du verlässt dich auf Technik, die auch ohne 'Cloud' und '5G-Gedöns' funktioniert. Meine drei Jungs und ich waren da unten völlig auf uns allein gestellt. Sobald wir den Schotterweg Richtung Baustelle runtergerollt sind, war das Display oben links tot: 'Kein Dienst'.

Früher hätte mich das nervös gemacht. Da hätte ich gewartet, bis ich abends zu Hause am Küchentisch sitze, um die Berichte aus dem Gedächtnis nachzuschreiben. Aber wer weiß am Freitag noch genau, wie viel Kubikmeter Beton am Dienstag um elf Uhr wirklich geflossen sind, wenn der Mischerfahrer geflucht hat wie ein Rohrspatz, weil er die Kurve nicht gekriegt hat? Jetzt hab ich mein System dabei, und das frisst die Daten auch, wenn der Funkmast hunderte Meter über uns auf dem Berg steht und uns ignoriert.

Nasses Tablet-Display mit einer Baustellen-App im Offline-Modus bei Regen.

Regen, Schlamm und 54 Fotos vom Eisen

Am Mittwoch hat es geschüttet, als wollte der liebe Gott den Schwarzwald einmal komplett durchspülen. Wir mussten die Bewehrung abnehmen. Der Prüfstatiker hatte sich für den Nachmittag angekündigt, und ich wollte alles picobello dokumentiert haben. Ich bin da über die Eisen gestiefelt, das Wasser lief mir in den Nacken, und ich habe insgesamt 54 Fotos gemacht. Jede Ecke, jeder Anschluss, jede Matte.

Das ist so ein Moment, wo du dich fragst: Packt das Tablet das? Wenn du kein Netz hast, rödelt bei manchen Apps der Ladebalken bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Aber mein Tool hat die Bilder einfach lokal weggeschluckt. Ich habe die Notizen dazu diktiert – ja, auch mit meinem Dialekt, das klappt mittlerweile erstaunlich gut – und das System hat alles brav gespeichert. Es ist dieses klamme Gefühl an den Fingern, wenn du auf dem nassen Glas herumtippst, aber du weißt: Der Kasten speichert das jetzt auf seiner eigenen Festplatte. Da kann kommen, was will.

Ich habe insgesamt über zwei Dutzend manuelle Einträge gemacht, von der Temperatur bis hin zum Verzug beim Erdaushub, weil wir auf eine Felsnase gestoßen sind, die im Bodengutachten natürlich nicht stand. Früher wäre das auf einem Zettel gelandet, der am Abend so aufgeweicht gewesen wäre, dass ich ihn als Pappmaché hätte verkaufen können. Heute bleibt alles digital trocken.

Der Moment der Wahrheit auf der Passhöhe

Gegen Feierabend, als wir den Transporter den Berg hochgequält haben, kam der Moment, auf den ich immer noch mit einer Mischung aus Skepsis und Vorfreude warte. Wir fahren aus dem Tal raus, die Tannen lichten sich, und oben am Feldberg-Pass springt die Anzeige plötzlich von 'Kein Netz' auf LTE um.

Es hat keine zwanzig Sekunden gedauert. Ich hab das Tablet auf dem Beifahrersitz liegen gehabt und konnte im Augenwinkel sehen, wie der grüne Balken einmal quer rübergeflitzt ist. Alle 54 Fotos, die Sprachnotizen und der komplette Tagesbericht sind in einem Rutsch hochgeladen worden. Das ist ein Granaten-Gefühl, sag ich euch. Du fährst nach Hause und weißt: Die Büroarbeit ist eigentlich schon erledigt, während die Jungs hinten noch über den verpassten Elfmeter vom Vorabend diskutieren.

Abgelegene Baustelle im tiefen Wald ohne Mobilfunkmast in der Nähe.

Warum das Funkloch die Berichte sogar besser macht

Jetzt kommt aber der Clou, den ich erst über die letzten Monate gelernt habe. Man denkt ja immer, 'Live-Übertragung' wäre das Beste. Aber im Funkloch zu sitzen, hat einen riesigen Vorteil für die Qualität. Wenn ich im Tal keine Verbindung habe, kann ich den Bericht nicht voreilig 'raushauen'. Ich bin gezwungen, die Daten lokal zu lassen.

Wenn wir dann nachmittags Veschper machen oder ich kurz im Auto sitze, scrolle ich nochmal durch. Ich korrigiere Zahlendreher bei den Lieferscheinnummern oder präzisiere eine Notiz zum Mangel an der Schalung. Diese 'Zwangspause' durch das Funkloch sorgt dafür, dass ich den Bericht erst abschicke, wenn er wirklich Hand und Fuß hat. Laut VOB/B müssen wir ja alles lückenlos nachweisen, und nichts ist schlimmer als ein digitaler Bericht voller Flüchtigkeitsfehler, der schon beim Bauherrn liegt, bevor man ihn selbst nochmal gelesen hat.

Das ist übrigens ähnlich wie damals, als ich angefangen habe und mein Fazit zu Bautagesbericht Apps gezogen habe – man muss sich die Zeit nehmen, das Zeug ordentlich zu pflegen, egal wie modern die Technik ist.

Die Sache mit der Hardware: Mein Tablet im Härtetest

Ein Punkt, den man nicht unterschätzen darf: Wenn du offline arbeitest, muss das Gerät mitspielen. Ich hab am Anfang gedacht, mein altes Smartphone tut's auch. Aber Pustekuchen. Wenn du 50 Fotos in hoher Auflösung machst und die App im Hintergrund die ganze Zeit versucht, ein Netz zu finden, zieht das am Akku wie ein Ochse am Pflug.

Ich habe mir mittlerweile ein robustes Tablet zugelegt, das auch mal in den Dreck fallen darf. Das Wichtigste ist aber der Speicher. Wenn du mehrere Baustellen parallel führst, wie ich mit meinen zwei bis drei Projekten, dann sammelt sich da über die Woche einiges an Daten an. Ich schaue jetzt immer, dass ich am Sonntagabend, wenn ich hier sitze, den Speicher einmal kurz prüfe. Es ist wie mit dem Werkzeugbauwagen: Wer am Montag mit stumpfem Bohrer loszieht, darf sich nicht wundern, wenn er nicht vorankommt.

Polier fotografiert die Bewehrung im Fundament mit seinem Smartphone zur Dokumentation.

Was meine Jungs dazu sagen

Der Schorsch, mein Ältester im Trupp, war ja am Anfang total dagegen. 'Chef, wenn das Netz weg ist, ist der ganze Kruscht weg', hat er immer gesagt. Diese Woche stand er neben mir, als ich die Bewehrung fotografiert habe, und hat nur trocken gemeint: 'Hättest jetzt mit dem Kugelschreiber auf dem Papier rumgekratzt, hättest du jetzt nur noch blaue Tinte an der Hand.'

Dass die Jungs mittlerweile auch ihre Stundenzettel digital erfassen, klappt im Funkloch übrigens genauso gut. Die tippen morgens ihre Zeiten ein, und wenn wir abends wieder oben auf der Höhe sind, ploppen die Zeiten bei mir im System auf. Kein Nachlaufen mehr, kein Suchen nach zerknitterten Zetteln unter dem Fahrersitz.

Mein Fazit für euch da draußen

Wenn ihr auch im ländlichen Raum unterwegs seid, lasst euch nicht einreden, dass Digitalisierung nur was für die Großstadt mit Glasfaser an jeder Ecke ist. Ein digitales Bautagebuch muss offline funktionieren, sonst ist es auf einer echten Baustelle so nützlich wie ein Gummistiefel mit Loch.

Achtet beim Ausprobieren darauf, dass die App nicht abstürzt, wenn das Signal weg ist. Das ist das A und O. Es muss sich anfühlen wie ein Notizbuch: Du schreibst rein, und das Buch fragt nicht, ob du gerade Empfang hast. Die Synchronisation im Hintergrund ist dann nur noch die Kür. So spare ich mir das Herzflattern und kann am Sonntagabend mein Bier genießen, weil ich weiß, dass alles sicher in der Cloud gelandet ist – auch wenn wir die Woche über gefühlt am Ende der Welt gearbeitet haben.

In diesem Sinne: Schafft was weg nächste Woche und lasst euch vom Funkloch nicht unterkriegen!

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